19. Hundefamilie

 

Es ist schon einige Jahrzehnte her, da hatte mein Vater auch ein Hobby – seine Schäferhundzucht. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatten wir immer einen oder mehrere Schäferhunde, oft sogar ein oder zwei Würfe Babyhunde. Das war für uns Kinder natürlich toll. Mein Vater war Mitglied im Schäferhund-Zuchtverein und oft musste meine Oma oder meine Mutter sonntags die Gaststätte alleine bewirtschaften und ich fuhr mit meinem Vater und den Hunden zu Ausstellungen nach Köln, Düren, Aachen und so weiter. Die Hunde haben viele Auszeichnungen bekommen. In Aachen war einmal eine besonders große Ausstellung im Springturnier-Stadion. Wir fuhren mit Ajax, einem sehr schönen aber ziemlich unaufmerksamen und wilden Rüden dorthin. Bevor die Bewertung losging, wollte mein Vater auf einem Nebenplatz noch einmal üben. Er stellte sich also einige Meter mir gegenüber auf den Rasen, und stellte Ajax in Positur. Nun sollte ich dem Hund rufen, damit er die Ohren spitzte und sein Körper gespannt war. Ich wollte es besonders gut machen, rief Ajax beim Namen und klopfte zusätzlich auf meine Oberschenkel. Der Hund spitzte die Ohren, aber zu allem Unglück kam er freudig auf mich zugesprungen. Mein Vater, der damit natürlich nicht gerechnet hatte, wurde von den Füßen geholt. Unglücklicherweise hatte es kurz vorher noch genieselt, und der Rasen war feucht. Da das Stadion ziemlich gefüllt war, wollte er den Hund nicht loslassen. Er hielt die Leine krampfhaft fest. So zog Ajax ihn über die ganze Rasenfläche bis zu mir hinter sich her. Die Leute, die drumherum standen, hatten natürlich ihre helle Freude. Zuerst wollte mein Vater mich ja zur Schnecke machen, aber dann kam ihm die Komik der Situation zu Bewusstsein, und er musste selbst lachen.

 

Als die Wirtschaft immer mehr Zeit erforderte gab mein Vater die Hundezucht auf. Aber mindestens ein Hund war trotzdem immer in der Familie. Ein besonders liebes, wenn auch großes Exemplar war Chlodo. Als die neue Wirtschaft gebaut wurde hat er einmal für ziemlichen Ärger gesorgt. Pohle Mättes war der Polier am Bau. Er ist einer von den Leuten, die immer alles tausendprozentig gut machen wollen. Als die Kellerdecke gegossen wurde, hat er sie mit Latten so lange glattgezogen, bis sie wie ein Spiegel war. Er ging ins Haus und rief meinen Vater zur Baustelle um ihm stolz sein Werk zu zeigen. Chlodo, der hinter meinem Vater hergelaufen war, hielt anscheinend nicht viel von Mättes‘ Baukunst und lief quer über die Decke, wobei er natürlich bei jedem Schritt die Spuren seiner Riesentatzen hinterließ. Der arme Mättes bekam einen mittleren Nervenzusammenbruch.